Eine gemeinsame Genossenschaft oder viele örtliche?
Am Anfang stand die Idee, dass überall im Land eigene Demokratiegenossenschaften entstehen, jede für sich und verbunden über diese Plattform. Je länger ich daran gearbeitet habe, desto deutlicher wurde, wie hoch die Hürde für jeden einzelnen Ort gewesen wäre. Eine Genossenschaft zu gründen heißt, eine Satzung zu schreiben, ein Gutachten beim Prüfungsverband einzuholen, die Gründungskosten zu tragen und danach dauerhaft Mitglied eines Prüfungsverbands zu sein, der regelmäßig prüft. Das schafft kaum eine Gruppe, die gerade erst angefangen hat, und viele wären daran gescheitert, bevor sie überhaupt loslegen konnten.
Deshalb habe ich einen anderen Vorschlag mitgebracht: eine gemeinsame Genossenschaft, in der vor Ort Regionalgruppen entstehen. Eine Gruppe in Leipzig, Rostock oder Plauen bräuchte dann keine eigene Satzung und kein eigenes Gründungsverfahren, sondern nur Menschen, die mitmachen. Was eine Gruppe herausfindet, steht allen anderen sofort zur Verfügung. Und wo vor Ort ein Geschäft entsteht, das eine eigene Genossenschaft tragen kann, darf sie sich später selbstständig machen. Der Grundsatz dahinter lautet: Zentral wird nur entschieden, was zentral entschieden werden muss.
Ich will aber nicht verschweigen, was mich an diesem Vorschlag selbst umtreibt. Eine gemeinsame Genossenschaft hat ihren Sitz an einem Ort, und für eine Gruppe, die ein paar hundert Kilometer entfernt arbeitet, kann sich das schnell nach Fremdbestimmung anfühlen. Genau das soll diese Genossenschaft aber nicht sein. Die spannenden Fragen stecken deshalb im Kleingedruckten:
Was muss eine Regionalgruppe selbst entscheiden können, damit sie sich nicht von außen gesteuert fühlt, zum Beispiel über ein eigenes Budget?
Wie werden die Gruppen in der Genossenschaft vertreten, damit ihre Stimme Gewicht hat?
Ab wann sollte aus einer Regionalgruppe eine eigene Genossenschaft werden?
Das alles ist ein Vorschlag und keine Entscheidung. Entschieden wird er in der Gründungsversammlung, von allen, die dann Mitglied werden. Bis dahin fließt, was hier zusammenkommt, in den Entwurf der Satzung ein.
Ich bin gespannt auf eure Gedanken, und Widerspruch ist ausdrücklich willkommen.
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